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Pyrethroide
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Pyrethroide sind synthetische Insektizide, die an die Hauptwirkstoffe des natĂŒrlichen Insektizids Pyrethrum angelehnt sind. Eine Definition allein anhand der chemischen Struktur ist nicht möglich. Die Struktur eines Pyrethroids sollte von einem der natĂŒrlichen Pyrethrine hergeleitet werden können und seine biologischen Eigenschaften im Wesentlichen mit denen der bekannten Pyrethroide ĂŒbereinstimmen.cite-ref-davies-1-0[1] Typisch fĂŒr Pyrethroide sind ihre rasche Wirksamkeit („knock down“) auch bei niedriger Dosierung, die geringe Giftigkeit fĂŒr WarmblĂŒter, Lipophilie und ein niedriger Dampfdruck. Pyrethroide sind billiger und in grĂ¶ĂŸeren Mengen herstellbar als Pyrethrum, meist sind sie besser wirksam. Einige Pyrethroide sind photostabil und damit relativ langlebig.

Contents

‱ Geschichte
‱ Verwendung
‱ Medizin
‱ Tiermedizin
‱ Nachweis
‱ Weblinks

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Geschichte

Die wirksamen Bestandteile des Pyrethrums wurden um 1924 durch Leopold RuĆŸička und Hermann Staudinger ermittelt. Sie klĂ€rten die Struktur der wirksamen Pyrethrine weitgehend auf und stellten die ersten synthetischen Derivate her.cite-ref-davies-1-1[1] Die kommerziell hergestellten Pyrethroide können je nach Entwicklungszeit vier unterschiedlichen Generationen zugeordnet werden.

Zur ersten Generation gehört nur das 1949 erstmals synthetisierte und 1954 von der japanischen Firma Sumitomo Chemical auf den Markt gebrachte Allethrin I, dessen Struktur dem Pyrethrin I noch sehr Ă€hnlich ist. Unter Lichteinwirkung zersetzt es sich sehr schnell, die Synthese ist aufwĂ€ndig. Allethrin I ist gegen die meisten Insekten weniger wirksam als natĂŒrliche Pyrethrine.cite-ref-khambay-2-0[2] Eine zweite Generation von Pyrethroiden kam zwischen 1965 und 1973 mit Tetramethrin, Resmethrin, Bioresmethrin, Bioallethrin und Phenothrin auf den Markt. Einige Wirkstoffe dieser zweiten Generation waren 20-fach (Resmethrin) oder 50-fach (Bioresmethrin) stĂ€rker wirksam als Pyrethrum. Fenvalerat und Permethrin sind Wirkstoffe der dritten Pyrethroid-Generation. Sie waren aufgrund ihrer verbesserten PhotostabilitĂ€t als erste Pyrethroid-Wirkstoffe in der Landwirtschaft einsetzbar.

Alle spĂ€ter auf den Markt gekommenen Wirkstoffe zĂ€hlen zur vierten Generation, die beispielsweise Bifenthrin, Cypermethrin, Cyfluthrin, Deltamethrin, Flucythrinat und Prallethrin umfasst.cite-ref-ware-3-0[3] Der wirtschaftliche Durchbruch der Pyrethroide kam mit der EinfĂŒhrung photostabiler Verbindungen fĂŒr die Landwirtschaft. Auf dem Weltmarkt wurden 1976 Pyrethroide im Endverkaufswert von 10 Millionen US-$ abgesetzt, bereits 1983 waren es 630 Millionen US-$. Dieser kommerzielle Erfolg beruhte fast ausschließlich auf Fenvalerat, Deltamethrin, Cypermethrin und Permethrin.cite-ref-herve-4-0[4] Die Zahl der bisher im Labormaßstab synthetisierten Pyrethroide wird auf rund 1000 geschĂ€tzt.cite-ref-smolka-5-0[5]

Einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung hatte Michael Elliott vom britischen Rothamsted Research, dessen Gruppe in den 1960er Jahren Bioresmethrin und Resmethrin und spÀter in den 1970er Jahren Deltamethrin, Cypermethrin und Permethrin entwickelte.

Chemische Strukturen

Die natĂŒrlich vorkommenden Pyrethrine und die Mehrzahl der Pyrethroide sind Ester aus einer SĂ€urekomponente und einem Alkoholrest. Die MolekĂŒle besitzen meist ein oder mehrere ChiralitĂ€tszentren, die dadurch unterscheidbaren Enantiomere oder Diastereomere sind fast immer verschieden wirksam. Allethrin ist beispielsweise der Ester des racemischen Alkohols Allethrolon mit racemischer cis/trans-ChrysanthemumsĂ€ure. Zur Herstellung des weit stĂ€rker wirksamen Bioallethrin wird bei identischer Struktur ausschließlich (1R)-trans-ChrysanthemumsĂ€ure verwendet. Ähnliches gilt fĂŒr (S)-Bioallethrin, das zudem nur aus dem (S)-Enantiomer des Allethrolon besteht.cite-ref-davies-1-2[1]

Bei der Suche nach neuen Wirkstoffen wurde zunĂ€chst der ChrysanthemumsĂ€urerest beibehalten und die Alkoholkomponente variiert. Sie wurde beispielsweise durch einen 3,4-Dimethylbenzylrest (Dimethrin), Furyl- (Resmethrin) oder Phthalimidderivate (Tetramethrin) ersetzt. Anfang der 1970er Jahre wurde der Alkoholrest durch eine 3-Phenoxybenzylgruppe ersetzt, bei der durch HinzufĂŒgen einer Cyanogruppe an der α-Position die Wirksamkeit deutlich gesteigert werden kann (Cyphenothrin u. a.).

Durch EinfĂŒgen einer Dichlor-, Dibrom- oder Difluorvinylgruppe in den ChrysanthemumsĂ€urerest konnten photostabile Pyrethroide wie Permethrin, Deltamethrin und Cypermethrin hergestellt werden. Auch der Ersatz der ChrysanthemumsĂ€ure durch Derivate der PhenylessigsĂ€ure fĂŒhrte wie bei Fenvalerat zu photostabilen Produkten.cite-ref-davies-1-3[1]

Physikalisch-Chemische Eigenschaften

Die Pyrethroide sind stark lipophil, ihr logarithmierter Oktanol-Wasser-Verteilungskoeffizient liegt im Bereich von 4,2 (Tetramethrin) bis 8,6 (Flumethrin). Die Wasserlöslichkeit ist mit 5 mg/l (Tetramethrin) bis 0,0003 mg/l (Flumethrin) gering bis sehr gering.cite-ref-naumann-6-0[6]

Wirkungsweise

Wie Pyrethrum sind Pyrethroide Kontaktgifte, die die spannungsabhÀngigen NatriumkanÀle in den Zellmembranen von Nervenzellen irreversibel blockieren, wodurch deren Repolarisation verhindert wird. Na+-Ionen strömen nun ungehindert vom extrazellulÀren in den intrazellulÀren Raum und heben das Membranpotential auf. Es stellt sich eine elektrisch neutrale Ladung ein, sodass die Zelle depolarisiert bleibt und kein Aktionspotential mehr ausgelöst werden kann. Die Folge ist eine spastische LÀhmung und bei Insekten eine schnelle Immobilisierung, die noch vor dem Tod eintritt und als "knockdown-Effekt" bezeichnet wird.

Pyrethroide wirken in der Regel sehr schnell und die Wirkung tritt bei den weniger lipophilen Pyrethroiden rascher ein als bei den stark lipophilen. Sie sind sehr giftig fĂŒr Insekten – inklusive NĂŒtzlinge –, Fische, Amphibien, Reptilien und Katzen.cite-ref-vetpharm-7-0[7]cite-ref-8[8]

Resistenzen

Resistenzen gegen Pyrethroide gehen hauptsĂ€chlich auf die vermehrte Produktion von abbauenden Enzymen wie Esterasen und „mischfunktionellen“ Oxidasen zurĂŒck. Bei einer hohen AktivitĂ€t dieser Enzyme werden auch einige andere Insektizide wie DDT, PhosphorsĂ€ureester und Carbamate schneller abgebaut, man spricht hier von Kreuzresistenz. Synergisten wie das hĂ€ufig verwendete Piperonylbutoxid stören den enzymatischen Abbau von Pyrethroiden. Damit verbessern sie deren Wirksamkeit und erschweren die Resistenzbildung. Bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe wird versucht, die enzymatische Abbaubarkeit durch Anpassen der MolekĂŒlstruktur zu verringern. Einige Insektizide aus anderen Wirkstoff-Familien werden durch Esterasen und Oxidasen erst in ihre „aktive“ Form ĂŒberfĂŒhrt. Sie zeigen somit eine „negative Kreuzresistenz“, wirken also auf pyrethroid-resistente InsektenstĂ€mme stĂ€rker als auf nicht-resistente.

Eine Resistenz gegen Pyrethroide kann auch erworben werden, wenn das Protein am Natriumkanal der Nervenzelle verĂ€ndert wird. Es sind mehrere durch Mutationen ausgelöste VerĂ€nderungen der α-Untereinheit des Kanalproteins (VGSC-Protein) bekannt, die einzeln oder gemeinsam auftreten und zu einer InsensitivitĂ€t gegenĂŒber dem Pyrethroid fĂŒhren. Da die Hemmung des Natriumkanals eine schnelle Immobilisierung der Insekten durch eine spastische LĂ€hmung auslöst, was als „knockdown“ bezeichnet wird, nennen sich die Resistenzen „knockdown resistance“ (abgekĂŒrzt kdr). WĂ€hrend einzelne Mutationen die Empfindlichkeit gegen alle Pyrethroide um den Faktor 20 bis 50 senken, können andere auch als „super-kdr“ bezeichnete Mutationen die Toleranz fĂŒr bestimmte Typ I-Pyrethroide um das 500-fache erhöhen. Diese Mutationen verstĂ€rken andererseits die Empfindlichkeit gegen zwei andere Klassen von Insektiziden, die N-Alkylamide und die Dihydropyrazole.cite-ref-khambay-2-1[2] Die hĂ€ufigste Form der Resistenz ist aber inzwischen eine Kombination dreier Punktmutationen (M815I, T917I, L920F), die zunehmend hĂ€ufiger zu finden sind. So wurden diese Mutationen 2010–2012 bei KopflĂ€usen zu 33–100 % in Kalifornien, Florida und Texas, zu 97 % in Kanada und zu 98,7 % in Paris gefunden.cite-ref-9[9]

Verwendung

Medizin

Pyrethroide sind als insektizide Wirkstoffe in PrĂ€paraten gegen LĂ€use enthalten. In Deutschland sind Allethrin und Permethrin Wirkstoffe zugelassener PrĂ€parate gegen Kopf-, Filz- und KleiderlĂ€use sowie gegen KrĂ€tzemilben (KrĂ€tze).cite-ref-10[10] Seit 2004 ist dort zur Behandlung der KrĂ€tze auch eine permethrinhaltige Salbe zugelassen.cite-ref-11[11] Bei einer Studie in Wales fand man bei KopflĂ€usen bei 82 % der FĂ€lle Resistenz oder verminderte Wirksamkeit von Pyrethroiden. Eine israelische Studie berichtet ebenfalls von verbreiteter Pyrethroid-Resistenz bei KopflĂ€usen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind diese Ergebnisse nicht direkt auf Deutschland ĂŒbertragbar, wo bislang nur vereinzelt resistente LĂ€use aufgetreten sind.cite-ref-12[12]

VektorbekÀmpfung

Einige Staaten schreiben vor, das Innere ankommender Flugzeuge mit Insektiziden zu behandeln, damit keine Krankheitsvektoren eingeschleppt werden. Dazu versprĂŒht man Pyrethroide mit Kurzzeitwirkung (Pyrethrine, d-Phenothrin, Resmethrin, Bioresmethrin) in der Kabinenluft, Substanzen mit Langzeitwirkung (Permethrin) werden zur Behandlung von OberflĂ€chen eingesetzt.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]

Bei der BekĂ€mpfung der malariaĂŒbertragenden Anopheles-MĂŒcken spielen Pyrethroide heute eine wichtige Rolle. Sie können allerdings nicht auf dieselbe Weise wie DDT zum BesprĂŒhen der WĂ€nde (englisch Indoor Residual Spraying) verwendet werden. Ihre starke Repellent-Wirkung verhindert, dass sich die MĂŒcken auf den WĂ€nden absetzen. Falls sich dennoch MĂŒcken setzen, werden sie durch die „knock down“-Wirkung betĂ€ubt, fallen auf den Boden und erholen sich nach einiger Zeit oft wieder.cite-ref-herve-4-1[4] Langlebige Pyrethroide werden allerdings zum ImprĂ€gnieren von Moskitonetzen verwendet, was von der WHO seit 1992 zur MalariabekĂ€mpfung empfohlen wird.cite-ref-15[15]

Tiermedizin

In der Tiermedizin werden Pyrethroide eingesetzt, um Ektoparasiten bei Haustieren abzuwehren oder zu behandeln. Hierzu gehören unter anderem Kopf- und Weidestechfliegen, Bremsen, Flöhe und TierlĂ€use, Lausfliegen, Zecken, diverse Milben, Haar- und Federlinge. In Deutschland sind dafĂŒr zurzeit Cyfluthrin, Cypermethrin, Deltamethrin, Flumethrin und Permethrin Wirkstoffe zugelassener Arzneimittel, in der Vergangenheit waren es auch Fenvalerat und Flucythrinat. FĂŒr lebensmittelliefernde Tiere sind in der EU nach Anhang 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 ĂŒber Höchstmengen fĂŒr TierarzneimittelrĂŒckstĂ€nde in Nahrungsmitteln Cypermethrin, Cyhalothrin, Cyfluthrin, Deltamethrin, Flumethrin, Fenvalerat und Permethrin zugelassen.

Cypermethrin und Deltamethrin haben eine besonders langanhaltende Wirkung und werden daher vorbeugend als Wirkstoffe in insektenabwehrenden Ohrmarken oder HalsbÀndern eingesetzt. Gegen die Varroamilbe bei Honigbienen werden teilweise mit Fluvalinat oder Flumethrin getrÀnkte Streifen in die Stöcke eingehÀngt. In der Fischzucht kann gegen Lachs- und FischlÀuse Cypermethrin verwendet werden.cite-ref-vetpharm-7-1[7]

Bei Katzen gibt es AnwendungsbeschrĂ€nkungen fĂŒr Pyrethroide, da sie diese schlechter abbauen können als viele andere Tierarten. Katzen sind daher besonders anfĂ€llig fĂŒr Pyrethroid-Vergiftungen, die bei ihnen ĂŒblicherweise tödlich verlaufen.cite-ref-16[16]

Pflanzenschutz

Ein Hauptanwendungsgebiet fĂŒr Pyrethroide ist der Einsatz gegen Schmetterlingsraupen im Baumwolle-Anbau. Pyrethroide werden weiterhin gegen eine Vielzahl von Schadinsekten angewendet; Ausnahmen sind die sich gut schĂŒtzenden Woll- und SchildlĂ€use sowie die kaum empfindlichen pflanzenpathogenen Milbenarten.cite-ref-herve-4-2[4]

In Deutschland ist die Gesamtmenge der als Pflanzenschutzmittel verwendeten Pyrethroide gering. Im Jahre 2001 waren dort mit 52 Tonnen nur etwa 0,8 % der im Pflanzenschutz eingesetzten Insektizide Pyrethroide.cite-ref-innere-belastung-17-0[17] Wegen ihrer hohen Wirksamkeit werden nur Aufwandmengen von 10 bis 200 g Wirkstoff pro Hektar benötigt, was deutlich weniger ist als bei den meisten anderen Insektiziden.cite-ref-smolka-5-1[5]

FĂŒr ein relativ breites Einsatzspektrum, insbesondere im Getreide- und Rapsanbau, sind in Deutschland und Österreich alpha- und zeta-Cypermethrin, Esfenvalerat, Deltamethrin und lambda-Cyhalothrin zugelassen. Die Verwendung von Cypermethrin ist in Österreich und der Schweiz erlaubt. In der Schweiz sind neben alpha- und zeta-Cypermethrin und Deltamethrin auch Bifenthrin und Cypermethrin high-cis zulĂ€ssige Pflanzenschutzmittelwirkstoffe.cite-ref-18[18] Die Einsatzbereiche können unterschiedlich sein: Cyfluthrin ist in Deutschland gegen den Apfelwickler zugelassen, in der Schweiz gegen VorratsschĂ€dlinge und in Österreich fĂŒr eine Vielzahl landwirtschaftlicher AnwendungsfĂ€lle. Tefluthrin und beta-Cyfluthrin sind Bestandteile in Deutschland und Österreich zugelassener Saatgutbehandlungsmittel.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]

SchÀdlingsbekÀmpfung und Haushalte

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland von den Mitgliedsfirmen des Industrieverbands Agrar, die etwa 70 % des Marktes abdecken, 2,7 t Pyrethroide fĂŒr den „hĂ€uslichen Gebrauch“ verkauft. Dazu kommen jĂ€hrlich etwa 2,6 t Permethrin, die fĂŒr die AusrĂŒstung von Wollteppichen gegen Motten- und KĂ€ferfraß verwendet werden.cite-ref-smolka-5-2[5]

Pyrethroide, die in Haushalten eingesetzt worden sind, sind sehr langlebig und stellen eine anhaltende Kontamination dar. So wird Permethrin binnen 112 Tagen erst um 10 % abgebaut, fĂŒr Cypermethrin konnten Ă€hnliche VerlĂ€ufe beobachtet werden.cite-ref-21[21]

Toxikologie

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend

Über das Verdauungssystem werden Pyrethroide nur teilweise resorbiert, ĂŒber die Haut ist ihre Aufnahme sehr gering und geschieht daher ĂŒberwiegend ĂŒber die Atmung.cite-ref-22[22] Resorbierte Pyrethroide werden im Körper grĂ¶ĂŸtenteils innerhalb weniger Stunden oder Tage durch Esterasen und Monooxygenasen abgebaut.cite-ref-reichl-23-0[23] Eine Anreicherung im Fettgewebe ist möglich, dort betrĂ€gt die Halbwertszeit fĂŒr den Abbau bis zu 30 Tage.cite-ref-forth-24-0[24]

Die akute ToxizitĂ€t von Pyrethroiden bei WarmblĂŒtern ist im Vergleich zu Insektiziden aus den Gruppen der Organophosphate und Chlororganischen Verbindungen gering. Die LD50 bei der Ratte liegt fĂŒr Pyrethroide zwischen 100 und 5000 mg/kg Körpergewicht.cite-ref-forth-24-1[24] Akute Vergiftungen beim Menschen treten selten auf. Nach oraler Aufnahme kommt es innerhalb von 10 bis 60 Minuten zu Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Falls eine nennenswerte Menge resorbiert wurde, leidet der Patient einige Tage lang an Bewusstseinsstörungen und KrĂ€mpfen. Bleibende NervenschĂ€den nach einer akuten Vergiftung sind möglich.cite-ref-25[25] Ein direkter Hautkontakt mit den Reinstoffen oder stark damit kontaminierten OberflĂ€chen kann innerhalb weniger Minuten bis einiger Stunden zu lokalen ParĂ€sthesien fĂŒhren. Die sensiblen Nervenenden in der Haut werden dabei gereizt, es kommt zu einem Kribbeln, Brennen oder Jucken, das etwa einen Tag anhĂ€lt. Auf Hautkontakt mit Pyrethroiden reagieren Kinder wegen ihrer empfindlicheren Haut im Allgemeinen stĂ€rker.cite-ref-reichl-23-1[23]

Typ I-Pyrethroide (ohne alpha-cyano-Gruppe) und Typ II-Pyrethroide (mit alpha-cyano-Gruppe) unterscheiden sich hinsichtlich ihrer akuten Wirkungen. Typ I fĂŒhrt im Tierversuch zum „T-Syndrom“, so benannt nach dem auftretenden Tremor. Beim „T-Syndrom“ werden auch Ataxie, erhöhte Erregbarkeit und Reiz-Überempfindlichkeit beobachtet.

Pyrethroide vom Typ II bewirken ein „CS-Syndrom“, das nach den charakteristischen Symptomen Choreo-Athetose (unwillkĂŒrliche langsame Bewegungen) und Speichelfluss benannt ist. Daneben treten hier auch ein grobschlĂ€giger Tremor und klonische KrĂ€mpfe auf.

Im Tierversuch zeigten Pyrethroide keine embryotoxische oder teratogene Wirkung. Die US-Umweltbehörde EPA hat Permethrin bei oraler Aufnahme als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Dies geschah aufgrund reproduzierbarer Studien mit MĂ€usen, die nach FĂŒtterung mit Permethrin Lungen- und Leber-Tumore entwickelten.cite-ref-26[26]

Verschiedene Pyrethroide wirken als endokrine Disruptoren, insbesondere auf Androgen-Rezeptoren. Bei Kaninchen wurde festgestellt, dass Cypermethrin an den Testosteron-Rezeptor bindet und so die mĂ€nnliche Sexualentwicklung und das Immunsystem schĂ€digt. Permethrin kann ebenfalls an den Testosteron-Rezeptor binden, in hohen Konzentrationen kann es hingegen wie Östrogen wirken. Fenvalerat hemmt bei MĂ€usen die Funktion von SchilddrĂŒsenhormonen.cite-ref-smolka-5-3[5]

Umweltverhalten

Über die Nahrungskette reichern sich Pyrethroide nicht an. RĂŒckstĂ€nde in Lebensmitteln sind eine Folge direkter Kontamination.cite-ref-forth-24-2[24]

Nachweis

Da Pyrethroide fĂŒr aquatische Organismen zu den toxischsten Insektiziden gehören, ist fĂŒr OberflĂ€chengewĂ€sser eine analytische Nachweismethode notwendig, welche sehr empfindlich ist, d. h. bis in den Bereich von Pikogramm pro Liter reicht.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]

Weitere Nachweiswege basieren etwa auf der Bestimmung der Konzentrationen von Metaboliten im Urin oder Hausstaubproben.cite-ref-29[29]

Weblinks

‱ Pyrethroide in der Umwelt – Infoblatt des Ökotoxzentrums

Einzelnachweise

cite-note-davies-11. ↑ J. H. Davies: The pyrethroids: an historical introduction. In: J. P. Leahey (Hrsg.): The Pyrethroid Insecticides. Taylor & Francis, London/Philadelphia 1985, ISBN 0-85066-283-4.
cite-note-khambay-22. ↑ Bhupinder P.S. Khambay: Pyrethroid Insecticides. In: Pesticide Outlook. Band 13, Nr. 2, 1. Mai 2002, S. 49–54, doi:10.1039/b202996k (Pyrethroid Insecticides. (Memento vom 9. November 2012 im Internet Archive) [PDF]).
cite-note-ware-33. ↑ George W. Ware, David M. Whitacre: An Introduction to Insecticides. Auszug aus: The Pesticide Book, 6. Auflage, 2004 (abgerufen am 22. September 2007).
cite-note-herve-44. ↑ J. J. HervĂ©: Agricultural, public health and animal health usage. in J. P. Leahey (Hrsg.): The Pyrethroid Insecticides. Taylor & Francis, London/Philadelphia 1985, ISBN 0-85066-283-4.
cite-note-smolka-55. ↑ Susanne Smolka, Patricia Cameron: Gefahren durch hormonell wirksame Pestizide und Biozide (Memento vom 9. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB). WWF Deutschland (Hrsg.), Frankfurt am Main, Stand Mai 2002.
cite-note-naumann-66. ↑ Klaus Naumann: Synthetic Pyrethroid Insecticides: Structures and Properties. Springer-Verlag, Berlin, 1990, ISBN 0-387-51313-2.
cite-note-vetpharm-77. ↑ Eintrag zu Permethrin bei Vetpharm, abgerufen am 5. August 2012.
cite-note-88. ↑ Arzneimittelkommission: AnwendungsbeschrĂ€nkungen fĂŒr Pyrethroide bei Katzen. ABDA, archiviert vom Original am 29. Oktober 2007; abgerufen am 13. November 2012: „Katzen können Pyrethroide auf Grund der geringeren AktivitĂ€t ihrer Glukuronyltransferase schlechter metabolisieren als andere Spezies und sind daher besonders durch Vergiftungen mit Pyrethroiden gefĂ€hrdet. Die Vergiftungen verlaufen ĂŒblicherweise fĂŒr Katzen letal.“
cite-note-99. ↑ Olivier Chosidow, Bruno Giraudeau: Topical Ivermectin – A Step toward Making Head Lice Dead Lice? In: New England Journal of Medicine. 2012, Band 367, Ausgabe 18 vom 1. November 2012, S. 1750–1752, doi:10.1056/NEJMe1211124.
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cite-note-1616. ↑ Arzneimittelkommission: AnwendungsbeschrĂ€nkungen fĂŒr Pyrethroide bei Katzen. ABDA, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 23. Januar 2007; abgerufen am 13. November 2012.
cite-note-innere-belastung-1717. ↑ Stellungnahme der Kommission „Human-Biomonitoring“ des Umweltbundesamtes: Innere Belastung der Allgemeinbevölkerung in Deutschland mit Pyrethroiden und Referenzwerte fĂŒr Pyrethroid-Metabolite im Urin. In: Bundesgesundheitsblatt. 48 (2005), S. 101187–101193.
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